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Dein erster Tag: Einblicke in die Berufswelt

u-form: Frau Schwarz, mit „Dein erster Tag“ (www.deinerstertag.de) bieten Sie Schülern die Möglichkeit in der virtuellen Realität Berufe und Unternehmen kennenzulernen. Wie ist Studio2B auf diese spannende Idee gekommen?

Esther Schwarz: Als Bildungsträger begleiten wir seit 2012 Schulen bei der Berufsorientierung. In Workshops, bei schulinternen Berufsmessen und bei Betriebserkundungen sind wir die Brücke zwischen einerseits Lehrkräften und Schülern sowie andererseits Personalverantwortlichen und Ausbildern. So fühlen wir stets den Puls aller Beteiligten und gewinnen Einblicke in die jeweiligen Bereiche und Entwicklungen.

Was wir dabei gemerkt haben ist, dass es überall als großes Manko gilt, dass vielen Schülern ein realistischer Einblick in die Berufswelt fehlt. Die meisten von ihnen haben einfach keine oder zu vage Vorstellungen davon, was sie in Ausbildung oder dualem Studium wirklich erwartet. Die Ausbilder erfahren das täglich. Sie wollen daher potenzielle Bewerber genau dorthin führen, wo die Ausbildung stattfindet. Und genau diese Betriebserkundungen bringen immense Herausforderungen mit sich: personeller Aufwand, Sicherheitsbestimmungen, mangelndes Schülerinteresse und unzugängliche Orte. Für Personaler ein riesiges Problem! Wie können sie ein authentisches Bild von der Ausbildung vermitteln und zugleich nicht die Produktion lahmlegen oder die Mitarbeiter über Gebühr belasten?

Wir mussten daher einen Weg finden, der die Vorteile einer Betriebserkundung bereithält und die Nachteile umgeht. Das gelingt mit der virtuellen Betriebserkundung: Denn so begeistern unsere Partner Schüler nicht nur technisch, sondern auch emotional. Jeder Interessierte hat die Möglichkeit, unabhängig von Zeit und Ort, sich in einem Unternehmen umzuschauen und dessen Ausbildungsberuf oder dualen Studiengang hautnah zu erleben.

u-form: Sicherlich fragt sich jetzt der eine oder andere Leser, wie man sich die virtuelle Berufserkundung genau vorstellen muss und wie die Schüler und Schulen an die Filme und das entsprechende Equipment kommen. Also, wie funktioniert „Dein erster Tag“ genau?

Esther Schwarz: Eine virtuelle Betriebserkundung dauert drei bis fünf Minuten. Da die Filme frei im Internet verfügbar sind, kann man sie mit VR-Brillen, dem Smartphone oder auf dem heimischen PC überall erleben. Dazu gelangen die Filme über zwei weitere Kanäle zur Zielgruppe. Auf der Berufsmesse können unsere Partner mit eigenen VR-Brillen ihren Messestand bereichern und so noch mehr Schüler als sonst begeistern. Stellen Sie sich die großen Augen vor, die Schüler machen, wenn sie die VR-Brille absetzen! Dazu kommt das große Schulprogramm von „Dein erster Tag“:  So kommt die virtuelle Betriebserkundung direkt ins Klassenzimmer. Alle interessierten Schulen können sich bei uns eine kostenlose Virtual Reality-Box ausleihen. Diese enthält das notwendige Equipment, um die virtuellen Betriebserkundungen in den Schulunterricht oder in Projekttage einzubinden. Der Bedarf an den Schulen ist enorm: Aktuell haben sich bereits über 850 Schulen aus ganz Deutschland angemeldet, um die Filme zu nutzen.

u-form: Wie können unsere Leser selber Teil dieses Projektes werden? Und gilt Ihr Angebot bundesweit?

Esther Schwarz: Ja, „Dein erster Tag“ ist bundesweit unterwegs. Jedes interessierte Unternehmen, jede Organisation und jeder Verband hat die Möglichkeit an „Dein erster Tag“ teilzunehmen. Wir produzieren die 360°-Videos in enger Absprache mit den Verantwortlichen: von der ersten Besichtigung der Drehorte, das Drehbuch, den Dreh und die Postproduktion bis zu der Aufnahme der Audiospur. Das finale Video bringen wir dann über unser bundesweites Netzwerk an die Schulen. Wer als Partner dabei sein möchte, tritt jederzeit mit uns in Kontakt, per E-Mail unter esther.schwarz@deinerstertag.de oder telefonisch unter 030 789 54 60 01.

u-form: Liebe Frau Schwarz, herzlichen Dank für die Vorstellung dieses tollen Projektes.

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Interview mit Stefan Dietl, Leiter Ausbildung national/international bei Festo Didactic

Wie es funktionieren kann die duale Ausbildung zu internationalisieren, erfährt Felicia Ullrich, Geschäftsführerin der u-form Testsysteme, im Interview mit dem Festo-Ausbildungsleiter Stefan Dietl.

Felicia Ullrich: Lieber Stefan, Du beeindruckst mich immer wieder mit Deinen vielen Ideen, die die Ausbildung bei Festo noch besser und attraktiver machen. Dieses Engagement wird jetzt zu Recht mit dem diesjährigen deutschen Personalwirtschaftspreis in der Kategorie „Ausbildung“ ausgezeichnet. Dein Projekt soll die duale Ausbildung internationalisieren. Würdest Du das Projekt einmal kurz für unsere Leser umreißen?

Stefan Dietl: Festo wächst – das ist die gute Nachricht. Dies bringt aber auch Herausforderungen mit sich: Es ist nicht immer einfach, weltweit qualifizierte Mitarbeiter zu finden – gerade, da die lokalen Ausbildungsangebote oft andere Standards haben. In unseren Werken in den USA, in China, Indien und Ungarn haben wir nun schon die Weichen für eine qualitativ hochwertige Ausbildung gestellt und gemeinsam mit Kooperationspartnern, wie beispielsweise Berufsschulen vor Ort, tragfähige duale Konzepte entwickelt.

2010 haben wir in China begonnen, eine duale Ausbildung aufzubauen. Seither haben wir rund 25 Auszubildende pro Jahr eingestellt. Mittlerweile ist die Zahl deutlich gestiegen und wir starten demnächst mit dem Bau eines eigenen Ausbildungszentrums. In den USA ging es 2016 los – hier haben wir in diesem Jahr sogar schon die ersten Absolventen gefeiert. In Indien haben vor einigen Wochen die ersten zwölf Auszubildenden begonnen und in Ungarn startet im September 2019 der erste Ausbildungsjahrgang nach dualem Modell.

Der Erfolg dieser Maßnahmen zeigt mir, dass wir mit unserem Engagement in Sachen Ausbildung das Unternehmen global unterstützen können.

Felicia Ullrich: Sicher gab es die eine oder andere Herausforderung bei Deinem Projekt zu meistern. Gibt es ein Erlebnis, das Dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Stefan Dietl: Da gab es sehr viele – die internationalen Aufgaben weichen teilweise stark von meinen Aufgaben in Deutschland ab. Auch innerhalb der einzelnen Länder sind die Bedingungen und Herausforderungen teilweise völlig verschieden – immerhin haben wir es hier mit völlig verschiedenen Kulturen zu tun.

Was beispielsweise das Lehren und Lernen angeht, glaube ich, dass in China das Repetieren im Vordergrund steht. Der Fokus liegt stark darauf, Gelerntes wiedergeben zu können. Die Herausforderung besteht also darin, einen Transfer zu forcieren, sodass die Auszubildenden auch bislang unbekannte Inhalte und Themen schnell lösen können. Unsere Aufgabe besteht hier also auch darin, Lernziele entsprechend zu definieren.

Die Vorbereitungen für den Ausbildungsstart in Indien waren eine sehr bewegende und bereichernde Zeit für mich. Ich habe gesehen, dass wir dort mit unserer fundierten Ausbildung riesige Chancen im Leben junger Menschen ermöglichen können, da die Perspektiven auf dem lokalen Ausbildungsmarkt nicht so gut sind. Für mich ist es immer wieder überwältigend, welche Dankbarkeit uns dort entgegengebracht wird.

In Ungarn erlebe ich eine sehr große Offenheit. Da ich selbst auch ein bisschen Ungarisch spreche, freue ich mich immer, wenn ich zumindest einen Teil der Konversation auf Ungarisch führen kann – das verbindet.

Felicia Ullrich: Die deutsche Ausbildung wird international sehr gelobt. Gibt es denn umgekehrt etwas, das wir vom Ausland lernen können? Etwas, das Dich besonders beeindruckt hat?

Stefan Dietl: Absolut! Es ist für mich unglaublich, wie schnell wir die duale Ausbildung vor Ort realisieren konnten. Wir haben überall verhältnismäßig schnell Berufsschulen gefunden, Inhalte abgestimmt und den ersten Berufsschultag gefeiert – in China innerhalb von neun Monaten, in Indien innerhalb von acht Monaten und in den USA innerhalb von sechs Monaten.  Die Umsetzungsfreude und der Kooperationswille in den Ländern ist beeindruckend. Was mich auch freut, ist die Begeisterung, mit der die lokalen Partner Themen wie Digitalisierung aufgreifen – Stichwort „Tablets für Auszubildende“.

Insofern: Unser Ausbildungssystem ist wirklich eine tolle Sache – aber auch andere Länder sind engagiert am Werk und wollen ihr Ausbildungssystem weiterentwickeln – mit viel Elan und Tatendrang.

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Qualität in Ihrem Bewerbungsprozess

Nicht nur Sie als Ausbildungsunternehmen sollen bei Ihrer Bewerberauswahl auf qualitativ hochwertige Eignungstests oder ein einwandfrei funktionierendes Testsystem setzen können, sondern auch Ihre Bewerber sollen diese Wertigkeit zu jedem Zeitpunkt des Bewerbungsprozesses spüren. Oft können Sie als potenzieller Ausbildungsbetrieb schon im Bewerbungsprozess bei möglichen Auszubildenden punkten, denn schon lange wissen wir aus unserer Studie Azubi-Recruiting Trends: Nicht nur die Jugendlichen bewerben sich bei Ihnen – auch Sie werben um die junge Zielgruppe in der Hoffnung, die Besten für sich gewinnen zu können.

Wie kann Ihnen u-form Testsysteme diesen reibungslosen, wertigen Bewerbungsprozess gewährleisten?

Wir wollen Ihnen einmal die wichtigsten Fakten zur Optimierung Ihres Bewerbungsprozesses durch u-form Testsysteme aufzeigen:

Akzeptanz bei der Zielgruppe

Eines der bedeutendsten Kriterien bei der Erstellung unserer Testverfahren ist ihre Nähe zu den jeweiligen Berufen. Würden Sie sich nicht auch wundern, wenn Sie bei einem Einstellungstest Aufgaben zur Bearbeitung bekämen, die nichts mit Ihrem Berufsbild zu tun haben? Aus diesem Grund arbeiten wir eng mit Fachautoren zusammen, die als ehemalige Ausbilder oder beispielsweise Berufsschullehrer ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu den Ausbildungsberufen bei der Testerstellung einbringen. Des Weiteren sind Germanisten, Anglisten, Naturwissenschaftler und unsere Test- und Wirtschaftspsychologen aus dem Team der u-form Testsysteme maßgebend an der Konzeption und Erstellung der Testverfahren beteiligt. So können wir Ihnen für viele unterschiedliche Ausbildungsberufe den passenden Berufseignungstest anbieten.

Beratung und Vertrieb

Damit Sie schnell und einfach den für Sie passenden Test finden, steht Ihnen unser Vertriebsteam mit kompetenter Beratung bei allen Fragen und Unsicherheiten zur Seite. Wir sorgen ebenfalls für eine zügige Abwicklung Ihrer Bestellungen, damit Sie ohne lange Wartezeit mit der Testung Ihrer Bewerber beginnen können. Denn kaum etwas macht einen schlechteren Eindruck als einen Bewerber erst Wochen oder sogar Monate nach Eingang seiner Bewerbung zum Test einzuladen.

Bewerbermanagement

Unsere jährlich erscheinende Studie hat aufzeigen können, was Bewerber im Bewerbungsprozess wirklich stört. Vom ewig langen Warten bis überhaupt eine Bestätigung zum Erhalt der Bewerbung kam, über Ausbildungsunternehmen, die auf Bewerbungen gar nicht reagierten bis hin zu solchen, die Ihre Bewerber fast zwei Jahre nach Eingang der Bewerbungsunterlagen zum Vorstellungsgespräch einluden – wir haben alle möglichen Geschichten von Bewerbern und Azubis in unserer Studie geschildert bekommen. Damit Ihnen genau so etwas nicht passiert und Sie den Überblick über Ihre Bewerber behalten, bieten wir Ihnen unser Bewerbermanagementsystem, den Bewerbernavigator, an. Egal, ob es um das Bewerbermarketing, die Bewerberverwaltung, ein Ranking Ihrer Bewerber oder die Erfassung aufgenommener Daten aus Vorstellungsgesprächen geht – dieses Tool bietet all diese und weitere Funktionen in Einem. Zeitsparend und nervenschonend durch den sonst langwierigen Bewerbungsprozess.

opta3 – das Testsystem

Dieses Online-Testsystem bietet Ihnen nicht nur die Möglichkeit zur schnellen Auswertung einer Testbearbeitung durch einen Bewerber sowie seine Testung bei ihm selbst zu Hause vom heimischen Computer aus. Es bietet Ihnen zusätzlich die Möglichkeit, Bewerber für sich zu begeistern und zu zeigen, dass Sie ein modernes und an Ihrer Zielgruppe orientiertes Ausbildungsunternehmen sind. Dabei halten wir selbstverständlich die strengen Regelungen des deutschen Datenschutzes ein und lassen uns jährlich nach Norm ISO/IEC 27001 zertifizieren und entsprechen somit höchsten internationalen Sicherheitsanforderungen.

Sollten Sie sich weitere Informationen oder eine persönliche Beratung wünschen, senden Sie gerne eine E-Mail an vertrieb@testsysteme.de. Unser Team hilft Ihnen gerne weiter.

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Azubis müssen in den Betrieben nachreifen

Unter dem Deckmantel eines „partnerschaftlichen Umgangs“ werden Kindern seit Anfang des Jahrtausends Struktur und Orientierung verweigert. Sie bleiben deshalb in ihrer Entwicklung auf dem Stand eines Kleinkinds stehen. Aus dessen Perspektive dreht sich die gesamte Welt um das Kind. Die Folgen: Kinder geraten außer Kontrolle, haben Schwierigkeiten, sich in neue Umgebungen wie etwa der Schule einzufügen und bringen Eltern sowie Lehrern keinen Respekt entgegen. Dieses Bild entwirft der Bonner Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff, Autor des Bestsellers „Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden. Oder: die Abschaffung der Kindheit“. Wir haben mit Dr. Winterhoff über Ursachen und Auswirkungen der Entwicklungsversäumnisse gesprochen – und darüber, wie Ausbilder darauf reagieren sollten.

u-form: Welche Beobachtungen haben Sie veranlasst, 2008 das Buch „Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden“ zu veröffentlichen?

Dr. Winterhoff: Ich bin analytisch-tiefenpsychologisch ausgebildet. Psychische Störungen kann man bei Kindern nur durch genaue Beobachtungen diagnostizieren. Seit über 30 Jahren habe ich gleiche Abläufe, also Standardsituationen geschaffen. Bis Mitte der 90er waren Kinder auf dem altersentsprechenden Entwicklungsstand, also mit sechs Jahren schul- und mit 16 Jahren ausbildungsreif. Dann haben sich zunehmend die Kinder in ihrem Verhalten gravierend verändert. Dieses Verhalten entsprach dem von deutlich jüngeren Kindern.
Ein zum Beispiel altersgemäß entwickeltes Kind mit 20 Monaten würde registrieren, dass es sich bei mir in einer ihm fremden Umgebung aufhält. Wenn ich den Warteraum betrat, waren sie zurückgenommen und haben erst einmal abgewartet, wie die Eltern auf mich reagieren. Wenn ich heute in den Warteraum gehe, werde ich von den Kindern überhaupt nicht registriert oder sie geben genervte Kommentare ab à la „na endlich“.
Dahinter steht eine gravierende Änderung: Diese Kinder können sich nicht mehr auf mich einstellen, sondern sie zwingen mich, mich auf sie einzustellen, weil sie es aus Elternhaus und Schule nicht anders kennen. Sie lassen mich zum Beispiel warten. Heute gehen 60 Prozent der Kinder bewusst langsam in meinen Raum und bestimmen so das Tempo. Das Verhalten der meisten Kinder, die mir begegnen, entspricht dem Verhalten im Alter von 10 bis 16 Monaten, in denen ein kleines Kind noch nicht zwischen Mensch und Gegenstand unterscheiden und sich auf andere einstellen kann.

u-form: Wie viele Kinder sind davon tatsächlich betroffen oder gilt das gar für eine ganze Generation?

Dr. Winterhoff: Nach meiner Einschätzung befinden sich weit über 50 Prozent der älteren Kinder und der Jugendlichen heute auf einem nicht ihrem Alter entsprechenden Reifegrad.

u-form: Was machen Eltern, Lehrer und Erzieher falsch?

Dr. Winterhoff: Es liegt primär an den Eltern. Die sind zwar sehr engagiert, aber machen etwas grundsätzlich falsch. Das ist kein individuelles Versagen, sondern eine gesellschaftliche Entwicklung: Wir wurden von der Digitalisierung überrollt. Unser Gehirn ist überfordert, wir müssen zu viele Entscheidungen auf einmal treffen und geraten in einen Zustand der Reizüberflutung. Viele fühlen sich überfordert, überfordern sich dabei aber selbst und reagieren nur noch auf die Kinder, anstatt zu agieren.
Die Erwachsenen rutschen in eine als „partnerschaftlich“ wahrgenommene Symbiose mit ihren Kindern und agieren mit ihnen vermeintlich auf „Augenhöhe“. Sie kompensieren mit dieser Nähe zum Kind unbewusst eigene Defizite und somit wird das Kind ein Teil der Eltern: diese Eltern fühlen und denken für ihr Kind und gehen für ihr Kind in die Schule. Die Kinder erleben vor diesem Hintergrund, dass sie die Erwachsenen steuern können und sie alles in der Hand haben – sich quasi die ganze Welt um sie dreht. Diese Perspektive ist in einem bestimmten Lebensalter völlig normal – bei sehr kleinen Kindern, nicht aber bei Fünf- oder Zehnjährigen.

u-form: Wie wirkt sich das auf diese Kinder aus?

Dr. Winterhoff: Im Kindergarten haben wir dann schon 80 bis 90 Prozent auffällige Kinder. Sie weisen z. T. große Defizite in Sprache, Motorik und Sozialverhalten auf. In der Grundschule leben diese Kinder lustorientiert, meiden Anforderungen, halten sich nicht an die Regeln und gehen in den Steuermodus. Kurzum: Sie drehen sich nur um sich, haben keine Empathie und erkennen Strukturen und Abläufe nicht mehr, wissen etwa nicht zwischen Pause und Unterricht zu unterscheiden und ihr Verhalten entsprechend anzupassen. Das setzt sich auf den weiterführenden Schulen fort …

u-form: Womit wir beim Thema „Berufsausbildung“ wären. Unternehmen bemängeln ja immer stärker die „fehlende Ausbildungsreife“ von Jugendlichen – nicht nur was Schulleistungen angeht, sondern auch in Haltung (Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit) und Verhalten. Haben wir es hier mit demselben Phänomen zu tun?

Dr. Winterhoff: Ja. Jungen Bewerbern fehlen heute nicht nur Fertigkeiten wie Rechnen und Lesen, sondern grundsätzliche altersgemäße Fähigkeiten und Verhaltensweisen, sie scheitern dann im Beruf. Ich wundere mich nicht darüber, dass Betriebe ihre Ausbildungsplätze nicht mehr besetzen können.

u-form: Wie gehen Ausbilder denn mit der mangelnden Reife von Azubis um?

Dr. Winterhoff: Die Jugendlichen müssen quasi in den Betrieben „nachreifen“. Es geht dabei nicht um „Erziehung“ oder „Strenge“, sondern um Entwicklung, um das Erleben und Praktizieren von altersgemäßen Verhaltensmustern. Ausbilder müssen sich dazu zunächst darüber klar werden, dass hinter der Fassade des Jugendlichen, der keinen Bock hat, eigentlich ein Kleinkind steht, das erst mühsam lernen muss, sich wie ein Jugendlicher zu verhalten.
Behandle ich den Jugendlichen tatsächlich wie einen 16-Jährigen, überfordere ich ihn. Stattdessen müssen Ausbilder solche Jugendlichen wie Kinder an die Hand nehmen. Diese Jugendlichen brauchen viele Sequenzen mit direkter Ansprache, viel Begleiten und Anleiten. Wichtig wäre, dass der Ausbilder dazu besonders in den ersten drei Monaten solche Jugendliche in direktem Kontakt in Kleingruppen anleitet, ob im Bereich Umgangsformen, Abläufen im Betrieb oder auch konkret an der Werkbank. Hilfreich dabei ist die konkrete, direkte Ansprache: „Sascha, jetzt machst du das.“
Je mehr und kleinteiliger Ausbilder anleiten, desto schneller haben die Jugendlichen die Chance, sich zu entwickeln. Günstig wäre, wenn der Ausbilder anders reagiert als die Eltern in Symbiose, nämlich zeitverzögert und nicht reflexartig wie die Eltern. Auch das ist ein wichtiger Lernprozess.

u-form: Das klingt furchtbar anstrengend…

Dr. Winterhoff: Ist es nicht, wenn die Strukturen für eine solche persönliche Betreuung gegeben sind. In Handwerksbetrieben ist das nach meiner Erfahrung zum Beispiel wegen der persönlichen Nähe zwischen Azubis und Ausbildern der Fall. Jammern führt zudem zu nichts: Andere Bewerber wird es auf absehbare Zeit nicht geben, den Betrieben bleibt also nichts anderes übrig.

Dr. Michael Winterhoff (Jahrgang 1955) arbeitet in Bonn als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Psychotherapie und hat sich zudem als Autor einen Namen gemacht. Zuletzt hat er im Sommer 2017 das Buch „Die Wiederentdeckung der Kindheit: Wie wir unsere Kinder glücklich und lebenstüchtig machen“ veröffentlicht.

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Kaufmann/-frau im E-Commerce: Neuer Ausbildungsberuf startet im August 2018


Die Digitalisierung in der Wirtschaft nimmt stetig zu. Der Internethandel spielt aus ökonomischer Sicht eine immer größer werdende Rolle. Die klassischen kaufmännischen Ausbildungsberufe können die neuen Anforderungen und Tätigkeitsfelder, die der kontinuierlich wachsende Bereich E-Commerce mit sich bringt, nicht zureichend abdecken. So wurde im Online-Handel der Wunsch nach einem Ausbildungsberuf laut, der auf die speziellen Bedürfnisse dieser Branche zugeschnitten ist.

Ab August 2018 ist es nun so weit: Die ersten Auszubildenden treten ihre Berufsausbildung zum Kaufmann bzw. zur Kauffrau im E-Commerce an.
Geeignete Auszubildende für diesen neuen Ausbildungsberuf können natürlich nur mit einem auf den Beruf zugeschnittenen Berufseingangstest ermittelt werden. Deswegen entwickelte u-form Testsysteme ein Testverfahren, perfekt auf das neue Berufsbild zugeschnitten.

In folgenden Bereichen müssen Bewerberkandidaten ihr Wissen unter Beweis stellen:
Kaufmännisches Interesse
Digitale Skills
Zahlen- und Tabellenverständnis
Sprachkompetenz Deutsch
Sprachkompetenz Englisch

Die Testinhalte aller Bereiche spiegeln die Tätigkeitsfelder im E-Commerce wider, sodass Testteilnehmer/-innen mit der Bearbeitung der einzelnen Aufgaben bereits einen kleinen Einblick in das Arbeitsfeld eines Kaufmanns/einer Kauffrau im E-Commerce erhalten. Da für diese Berufsausbildung eine hohe Affinität zu Informations- und Kommunikationstechnologien erforderlich ist, beinhaltet der Test auch Aufgaben, die die digitalen Skills der Bewerber/-innen überprüfen.
Die Bearbeitungsdauer des Tests beträgt 75 Minuten. Aufgrund des mittleren bis in Teilen hohen Schwierigkeitsgrads richtet sich der Test an Schulabgänger mit einem sehr guten mittleren oder einem höheren Schulabschluss.

opta3, Azubi-Navigator und der Bewerbernavigator sind Produkte der u-form Testsysteme GmbH & Co. KG